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Artikel bis Februar 2013
24.02.2017

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Der Papst im Bundestag – eine Diskussion
25.09.2011


Am 22. September sprach Papst Benedict XVI. im Deutschen Bundestag. Er ist einer von (nur) 13 ausländischen Staatsoberhäuptern, die bislang im deutschen Parlament reden durften.

In den „Bremer Nachrichten bzw. im „Weser-Kurier“ (WK/BN) vom 18. September 2011 hieß es u.a. dazu.: „Auch im Bundestag stößt der Auftritt nicht auf ungeteilte Begeisterung. Ein großer Teil der Opposition will die Rede boykottieren. Linken-Chefin Gesine Lötzsch geht davon aus, dass die Hälfte ihrer Fraktion fernbleiben wird. In der SPD rechnet man damit, dass jeder vierte der 146 Parlamentarier dem Beispiel des Bremer Abgeordneten Carsten Sieling folgt und nicht kommt. Von den Grünen könnte jeder dritte fehlen. Die Zahl der abwesenden Abgeordneten würde sich damit auf rund 100 summieren.“

Carsten Sieling vertritt (zusammen mit Uwe Beckmeyer) als Abgeordneter der SPD das Land Bremen im Bundestag.

Dazu erschien am 22.9., ebenfalls in den „Bremer Nachrichten bzw. im „Weser-Kurier“ ein Leserbrief von Wilhelm Tacke. Er war bis zu seiner Pensionierung Pressesprecher der Katholischen Gemeinde Bremen.

Ich hatte den o.a. Artikel in WK/BN vom 18.9. überlesen. Nach der Lektüre des Leserbriefes von Wilhelm Tacke schrieb ich an Carsten Sieling. Er antwortete darauf. Seine Antwort gab ich dem Arbeitskreis „Christen in der SPD“ zur Kenntnis, dem ich angehöre, aber auch Angela Schmelter, die sich ebenfalls per E-Mail in die Diskussion einmischte. Angela Schmelter vertritt als Katholikin Kolping Bremen, ich selber stehe für die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Bremen.


  1. Leserbrief von Wilhelm Tacke in WK/BN

Zum Thema „Der Papst kommt nach Deutschland“: Eine Beleidigung.

Wie ich dem Artikel „Sein schwierigster Besuch“ in der Ausgabe vom 18. September entnehme, bleibt der Sozialdemokratische Abgeordnete Carsten Sieling der Rede des Papstes im Bundestag fern. Da kann ich nur kopfschüttelnd fragen: Frönt er etwa dem verbreiteten Irrglauben, die Bundesrepublik sei ein laizistischer Staat und der Papst hätte deshalb nicht eingeladen werden dürfen? Ein Blick ins heimische Rathaus hätte ihn eines Besseren belehrt; denn dort agiert - übrigens segensreich - ein Senator für kirchliche Angelegenheiten. Und dieses Amt wird seit Bürgermeister Koschnick bewusst vom Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt im Nebenamt verwaltet. Oder will der Abgeordnete dem Papst nicht zuhören, weil er in der einen oder anderen Sache anderer Meinung ist? Demokratie lebt davon, dass unterschiedliche Meinungen aufeinander- prallen, man den anderen aber, vor allem wenn er Gast ist, erst einmal anhört, bevor man urteilt. Sielings Wegbleiben kann mithin nur als Beleidigung des Papstes gewertet werden.

Wilhelm Tacke, Bremen

(Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Verdener Nachrichten Seite: 23 Datum: 22.09.2011)



  1. Am 22.09.2011 09:33, schrieb Martin Korol, :


Lieber Carsten,

einem Leserbrief von Herrn Tacke heute im Weser Kurier entnehme ich, dass du den Bundestag verlassen willst, wenn der Papst kommt.

Dafür habe ich durchaus Verständnis, kämpfe ich doch seit Jahr und Tag gegen meine mitunter sehr unheilige katholische Kirche. Andererseits wirst du dir darüber im klaren sein, in welch unheiliger Allianz du dich da befindest: mit Altkommunisten, die akzeptieren, dass in der Sowjetunion oder in China oder in Albanien für die Ersatzreligion Kommunismus Millionen Menschen geopfert wurden. Du hast auch das internationale Kapital an deiner Seite, das den Widerstand meiner Kirche gegen das Arbeiten und den Konsum an sieben Tagen in der Woche und rund um die Uhr mit allen Mitteln bekämpft.

Am wenigsten an deinem und eurem Vorhaben schätze ich, dass es so markig aussieht, aber ganz im Trend und der gängigen Political Correchtness entspricht. Für mich riecht es etwas kleinbürgerlich. Sorry. Allemal: Was kaum Mut kostet, ist in meinen Augen kaum etwas wert.

Ich möchte dich bitten, so mutig zu sein, von deinem Vorhaben abzurücken.

Das fände ich gut.

Schöne Grüße

Martin


  1. Am 22.9..2011, 11:41 h, schrieb Carsten Sieling:


Lieber Martin,

vielen Dank für Deine E-Mail. Gerne will ich meine Entscheidung begründen.

Die Trennung von Staat und Kirche ist eine wichtige Errungenschaft. Der Glaube hingegen ist eine private Angelegenheit, kirchliche Oberhäupter gehören nicht in ein Parlament. Darum ist beispielsweise dem Dalai Lama eine Rede im Bundestag immer versagt worden. Den Hinweis, der Papst sei ein Staatsoberhaupt, halte ich für vorgeschoben und nicht sachgerecht.

Es geht mir nicht darum Haltungen, Taten und Geschichte der katholischen Kirche zu beurteilen. Es ist schön, dass der Papst Deutschland besucht.

Ich schätze auch das Engagement vieler dort und arbeite beispielsweise eng mit einem Jesuiten-Pater für die Finanztransaktionssteuer und dessen Initiative "Steuer gegen Armut". Ich hoffe, auch der Papst findet deutliche Worte zu den Ungerechtigkeiten in der Welt und unserem Land.

Das braucht unsere Gesellschaft, es gehört aber nicht ins Parlament.

Seinen Auftritt im Bundestag lehne ich deshalb ab und bleibe der Sitzung fern.

Herzliche Grüße

Carsten


  1. Angela Schmelter schrieb am Donnerstag, 22. September 2011 14:49, an Carsten Sieling.


Betreff: AW: Dein Verhalten beim Papstbesuch

Lieber Carsten,

auch ich, und sicher auch andere Mitglieder des Arbeitskreises Christen in der SPD, können Deine Entscheidung nicht nachvollziehen. Vor allen kritisiere ich dass Du Dich hier "vor den Karren" der Laizisten spannen lässt.

Vielleicht überlegst Du auch mal, wie viele Christen in Zukunft der SPD nicht mehr ihre Stimme geben werden.

Also das, wofür sich Martin, ich und Andere einsetzen, nämlich, dass die SPD gerade auch für Katholiken eine wählbare Partei ist, wird dadurch Dein Verhalten zu Nichte gemacht.

Schöne Grüsse

Angela Schmelter


  1. Am Freitag, 23. September 2011 15:15 schrieb Carsten Sieling an Angela Schmelter:


Betreff: Deine Mail zum Papstbesuch

Liebe Angela,

Vielen Dank für Deine Mail.

Leider muss ich Dir sagen, dass mich Deine Hinweise nicht überzeugen.

Richtig ärgerlich finde ich Deine - auch Martin hatte in seiner Mail schon eine derartig Bemerkung gemacht - Unterstellung, ich würde mich 'vor einen Karren spannen lassen'. Meine Entscheidung beruht auf einer Grundhaltung die ich mir auch nicht erst kürzlich überlegt habe, sondern wohlerwogen und seit vielen Jahrzehnten vertrete. Ich bitte also um argumentative Auseinandersetzung.

Ich kann dir auch nicht meine Verwunderung darüber vorenthalten, dass mir wie bei keiner anderen Entscheidung zuvor - und ich verhalte mich in grundlegenden Fragen, beispielsweise Afghanistan-Mandat, durchaus entsprechend meiner Haltung und nicht nach Vorgaben - in einer derartig geradezu dogmatischen Art begegnet wurde. Gleichzeitig muss ich dir leider auch sagen, dass Du zu einer der ganz, ganz wenigen Einzelmeinungen gehörst die sich an mich gewandt bzw. sich zu meiner Entscheidung so wie Du geäußert haben. Deutlich mehr Menschen haben mir zugestimmt. Das sage ich Dir angesichts Deiner Sorge um die Wirkungen auf das Wahlverhalten auch zur Beruhigung. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass auch Menschen katholischen Glaubens die SPD letztlich doch aus weltlichen Erwägungen wählen. Und dafür werde ich auch weiterhin alles mir mögliche tun.

Herzliche Grüße

Carsten Sieling





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