Wir, Ortsamtsleiterin, von Gottes Gnaden
27.06.2018

Über die Beiratssitzung Walle am 14.6.2018

[mehr]

Artikel bis Februar 2013
24.02.2017

Meine erste Homepage ging am 21.02.2011 online. Ich schaltete sie am 24.02.2013 ab. Der Grund:...

[mehr]


Mein Sterben gehört mir
11.03.2012


Sibylle Berg schreibt in ihrer Kolumne in „Spiegel online“ am 10. März 2012 u.a.:

Warum gibt es einen staatlich verordneten Zwang zum Leben? Warum dürfen freie Bürger sich nicht auch als freie Menschen dafür entscheiden, in den Tod zu gehen, wenn sie krank sind? Oder einfach nur müde?

Das klingt sehr aufrührerisch, was Frau Sibylle über das Recht auf das eigene Sterben schreibt, ist aber trendy. Der Glaube an ein Jenseits, in dem mir für die Ungerechtigkeiten und das Leid in dieser Welt in einer anderen gerecht entschädigt werde, schwindet. Überhaupt schwindet die Fähigkeit, dieses Leben zu ertragen, je objektiv besser es uns geht als allen unseren Vorfahren und als 90% der Menschheit. Eine Welt geht unter, die des Abendlandes. Wenn meine untergehende heilige Mutter Kirche seit 1.000 Jahren den Selbstmord verdammt, animiert das uns Heutige eher, für das Recht des einzelnen zu plädieren, Hand an sich legen zu dürfen. Der Staat und die Wohlfahrtsverbände sind finanziell am Ende. Unbestritten ist, dass wir die Versorgung von Millionen Demenzkranken, Sterbenskranken und Langzeitpflegfällen schon in wenigen Jahren nicht mehr bezahlen und dass wir die Alten und Einsamen nicht mehr betreuen werden können. Die Kinder und Enkel, die dafür notwendig wären, fehlen zunehmend; auch die Immigrantenfamilen werden immer kleiner und lösen sich auf. Nur die Reichen werden sich noch den Service kaufen können, den wir alle im Alter bräuchten. Der Gedanke an einen Freitod wird normal werden, legitimiert durch Artikel wie den von Frau Sibylle.

Das Blöde an der Geschichte ist, dass es nur in den wenigsten Fällen darum gehen wird, „selbstbestimmt“ das Leben zu beenden. In der Regel werden es die schlimmen Verhältnisse sein, angesichts derer für immer mehr Menschen der Freitod eine logische Sache sein wird. Zu reden ist zudem von denen, die dann meinen, darüber mitbestimmen zu dürfen, wer besser jetzt sterben sollte oder wer noch einige Zeit leben darf. Nein, der Staat wird sich da raushalten. Einmal Euthanasie auf Anweisung des Führers reicht. Aber die AOK wird bald pleite sein; meine „Allianz“ wird immer weniger Skrupel haben, mich vor die Hunde gehen lassen, wenn ich teuer werde, also dafür sorgen, dass ich möglichst rasch ins Jenseits gelange. Merke: Das letzte Jahr ist das teuerste. Nicht zu vergessen die vielen Unternehmen aus der Schweiz und aus Holland, die Morgenluft und ein gutes Geschäft mit der Selbsttötung wittern, nun auch in Deutschland. Mein Hausarzt meint, ein Drittel aller Menschen in Deutschland sterbe schon jetzt mit Nachhilfe, hier mehr, dort weniger, durch wohl meinendes Personal und durch weniger edel gesonnene Erbinnen und Erben. Dieser Anteil wird drastisch steigen.

Wollen Sie das, verehrte Frau Sibylle? Wenn nicht, dann schwadronieren Sie bitte nicht so leichtfertig daher. Statt dessen strengen Sie sich bitte an und dringen Sie auf ein Soziales Pflichtjahr für alle Jugendlichen, die nicht zum Bund oder sonst einer staatlichen Organisation gehen; und fordern Sie bitte die Pflicht einer sozialen Tätigkeit für alle diejenigen, die von der Stütze leben.

Das gäbe einen Aufschrei in Deutschland, aber genau den brauchen wir.




<- Zurück zu: Aktuelles