Wir, Ortsamtsleiterin, von Gottes Gnaden
27.06.2018

Über die Beiratssitzung Walle am 14.6.2018

[mehr]

Artikel bis Februar 2013
24.02.2017

Meine erste Homepage ging am 21.02.2011 online. Ich schaltete sie am 24.02.2013 ab. Der Grund:...

[mehr]


MK über den Gottesdienst in Pius am 2012 III 11
12.03.2012


Alle vier Evangelisten erzählen im Neuen Testament davon, dass Jesus im die Tische der Geldwechsler umwirft und die Geldwechsler zusammen mit den Händlern von Opfertieren mit einer Geißel aus dem Tempel von Jerusalem vertreibt. Diese Geschichte ist bekannt als „Tempelreinigung“ Jesu.

Von der Tempelreinigung Jesu handelte die Predigt am Sonntag, dem 11. März 2012, dem dritten Fasten Sonntag. Ich hörte sie in der Kirche Sankt Pius in Bremen-Huchting. Es war ein Festgottesdienst zu Ehren der örtlichen Gruppe der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). Sie feierte ihr 40 jähriges Bestehen. Zu meiner großen Freude konnte ich wieder während der Messe im Altarraum mit einem Banner der KAB stehen. Ich stand fest, den Fahnenmast fest umschlossen. Der Stoff des Banners fiel weich über meine Hand. Es war ein schöner Gottesdienst in einer vollen Kirche, geleitet von Pfarrer Rainer Lührmann, den ich zum ersten Mal erlebte.

Nur eines störte: fast ununterbrochen war ein Kleinkind zu hören, das quiekte und quakte oder stieß einfach nur Laute aus. Ich hatte dieses Kind gesehen, als wir in die Kirche einbezogen und an ihm vorbei an den Altar gingen. Es war ein schwarzer Junge, vielleicht zwei Jahre alt, zusammen mit seinem schwarzen Vater. Nach den ersten Lauten des Jungen hatte ich die Hoffnung, dass der Vater dem Kind glücklich zu reden werde. Dann hoffte ich, dass sich irgendjemand ein Herz fassen würde und den Vater bitten werde, doch zusammen mit seinem Kind die Kirche zu verlassen. Ich fühlte mich meiner Konzentration ungeheuer gestört und ich kann mir nicht vorstellen, dass es den anderen, rund 120 Gläubigen besser damit erging.

Die Predigt zum Thema „Tempelreinigung“ hielt eine Frau. Das hatte ich bisher noch nicht erlebt. Normalerweise gehört die Predigt wie auch das Evangelium zu den Privilegien eines geweihten Mannes, eines Diakons oder eines Priesters. So viel Fortschritt hatte ich noch nicht erlebt. Ich habe mich sehr darüber gefreut, zumal das Thema „Tempelreinigung“ wir aus zwei Gründen sehr gut zupass kam: was Jesus da im Tempel tat, war ein Ausbruch von Wut im Sinne dieses klugen Wortes: „wenn nicht ab und zu den Kopf verliert, hat keinen!“ Zum zweiten wünschte ich mir, dass die Dame, die die Predigt hielt, die Gelegenheit ergreifen würde, den Vater des Kindes, das da ununterbrochen den Gottesdienst störte und eben auch die Predigt, mit lieben Worten bitten würde, entweder das Kind ruhig zustellen oder die Kirche mit ihm zusammen zu verlassen. Doch nichts erfolgte. Es blieb bei der Predigt über einen Jesus, der den Tempel reinigte. Den Mut dazu, selber für Ruhe zu sorgen, hatte die Predigerin ebenso wenig wie Pfarrer Lührmann, der als Leiter der Veranstaltung die Verantwortung hatte und sie nicht dazu nutzte, für Ruhe zu sorgen. Nach der Wandlung und vor der Kommunion, also etwa zu Beginn des letzten Drittels der heiligen Messe, geben alle, die in der Kirche sind, ihren Nebenleuten die Hand. Man wünscht sich gegenseitig ein „Friede sei mit dir!“ So auch hier. Ich nahm dieses Ritual zum Anlass, mit zwei, drei Gläubigen in der ersten Reihe Kontakt aufzunehmen und sie zu fragen, ob sie nicht für etwas mehr Ruhe sorgen könnten. Ich stieß auf Unverständnis.

Nach der Messe gab es eine ebenso schöne Veranstaltung zum 40 jährigen Jubiläum der KAB- Ortsgruppe St. Pius/ St. Franziskus. Auch Pfarrer Lührmann war wieder dabei. Ich nahm unsere Begegnung zum Anlass, ihn zu fragen, ob ihn ich auch das Gequake des Kindes gestört habe und, wenn ja, warum er dazu nichts gesagt habe. Er sagte, er habe das Kind nicht aus der Kirche vertreiben wollen. Wir bräuchten Kinder in der Kirche. Ich wandte ein, dass ich die Ruhestörung des Kindes als eine Tyrannei über 120 Gläubige erlebt habe und dass ein Kind sehr wohl zur Einhaltung von Ruhe erzogen werden könne.

Und schon hatte ich wieder einen Konflikt mit meiner heiligen Mutter Kirche. Sie tritt als patriarchalische Institution ansonsten sehr autoritär auf. Hier reagierte sie auf die Ruhestörung einer eigenen Veranstaltung viel zu weich, nämlich gar nicht. Ich habe schon manche Ruhestörung einer heiligen Messe durch laute Kinder erlebt. Jedes Mal wurde es nach einiger Zeit ruhig, weil das Kind beruhigt wurde oder zusammen mit Vater oder Mutter die Kirche verließ. Eine solche permanente Ruhestörung wie diese über die gesamten 60 Minuten einer heiligen Messe hinweg hatte ich noch nie erlebt. Warum der Vater nicht selbst einsichtig genug war, die Kirche zu verlassen, ist mir unklar. Für das Verhalten des Pfarrers und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe ich nur die eine Erklärung, dass sie Angst davor hatten, wegen einer Vertreibung aus der Kirche des Rassismus angeklagt zu werden, in „buten un binnen“, im „Weser Kurier“ oder in der „Bild-Zeitung“.

Dabei finde ich, sie hätten den Mut haben sollen, im Sinne Jesu den Tempel zu reinigen.

Am Sonntagabend sah ich im Fernsehen noch ein wenig Joyce Meyer, die wohl bekannteste Prediger in der Welt. Sie sprach vor über 1.000 Menschen in einem großen Saal. Und wie's der Zufall so will, bat sie eine Zuhörerin, die einen Leguan mit in die Veranstaltung gebracht hatte, den Saal zu verlassen, mit der Bitte dafür um Verständnis. Aber es ginge nicht an, dass jemand in Ihrer Veranstaltung so sehr die Freiheit der anderen einschränke.

Das hat mir sehr gefallen.




<- Zurück zu: Aktuelles