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MK über Frau Hauffe und das neue Sorgerecht
11.07.2012


Mama gegen Papa

Seit Jahren und Jahrzehnten streiten sich unverheiratete und getrennt lebende Mütter und Väter immer wieder über das Sorgerecht für das gemeinsame Kind. Im allgemeinen bekam bisher die Mutter das Recht zugesprochen. Das soll nun anders werden. Nach dem geplanten Gesetz haben ledige Mütter künftig sechs Wochen Zeit, sich zu dem Mitsorge-Antrag des Vaters zu äußern. Tun sie das nicht oder bringen sie keine im Einzelnen dargestellten und ausreichenden Gründe gegen die gemeinsame Sorge vor, erhält der Vater die Mitsorge für das gemeinsame Kind, und das ohne gerichtliche Anhörung der Eltern.
Soweit die Sache selbst.

WK/BN veröffentlichte am 6.7.2012 den Artikel „Neues Sorgerecht in der Kritik. Ulrike Hauffe: Väter in der Pflicht“. Der Artikel klärte über das neue Sorgerecht auf und referierte dann die Position von Frau Hauffe zu dem geplanten Gesetz.

Frau Hauffe ist die „Bremer Landesbeauftragte für Frauen“ und leitet die „Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau“. Sie kommentierte hier wie dort das neue Sorgerecht für Kinder, deren Eltern getrennt leben und sich streiten, u.a. mit folgenden Worten:

„Dass Kinder beide Eltern, Mutter und Vater, brauchen und möglichst in engem Kontakt mit beiden sein sollen, ist völlig unstrittig.“

Diese Position von Frau Hauffe wäre eine gute Basis für ein fruchtbares Gespräch über diese Angelegenheit. Allein, Frau Hauffe stellt sie gleich wieder in Frage. Sie fragt nämlich, warum denn wohl nur die Mütter darlegen müssten, dass die gemeinsame Sorge dem Wohl des Kindes schade; und warum nicht der Vater glaubhaft begründen müsse, dass seine Mitsorge dem Wohl des Kindes nutzt.

Ich verstehe die Frage, finde dieses Verfahren aber erst einmal in Ordnung so. Es unterscheidet sich wohltuend von der bisherigen Praxis, in der die Mutter eine Machtstellung innehatte, die zwar den großen Vorteil hatte, dass eindeutige Entscheidungen über das Wohl und die Erziehung des Kindes getroffen wurden, aber diese Macht verselbstständigte sich dann denn doch sehr häufig und geriet zu einem Machtmittel der Mutter gegenüber dem Vater des gemeinsamen Kindes. Diese Gefahr wird nun reduziert. Die Mutter muss jetzt nachweisen, dass sie aus guten Gründen weiterhin allein das Sagen über Ihr Kind haben sollte.

Mein alter Freund Herwig beschäftigt sich schon lange mit der Frage, warum in den letzten Jahrzehnten mit welchen Methoden und mit welchen Auswirkungen vor allem auf das Kind, aber auch auf dessen Vater und Mutter, ledige Väter benachteiligt und die Mütter bevorzugt behandelt wurden. Er schrieb sogar ein Buch darüber, das vor einem Jahr erschien und das ich jedem empfehle, der mal einen Einblick in die trostlose Situation wagen will, in der sich die meisten ledigen Väter befinden. Der Titel: „Gehst du zum Weibe: Roman & Ratgeber“. Überall erhältlich. Preis: 12 €. Herwig sind in unserem Zusammenhang vier Punkte wichtig. Er schrieb mir:

Frau Hauffe ist offenbar der Meinung, der Vater sei für das Wohl der Kinder zweitrangig. Die RichterInnen am Europäischen Gerichtshof haben hingegen sehr wohl erkannt und weise geurteilt, als sie das Sorgerecht auf beide Elternteile verteilten. Kinder leiden, wenn Eltern sich streiten und im Streit auseinandergehen gehen . Wenn sie sich dann dennoch immer wieder streiten und dann ausschließlich um das Kind, wird aus dem Leid des Kindes schnell ein Trauma. Kein Gericht kann verhindern, dass sich Vater und Mutter streiten, aber es kann dafür sorgen, dass sich Vater und Mutter in derselben Augenhöhe begegnen. Nichts anderes haben die Richter getan.

Wir wissen nicht, aus welchen vielfältigen Motiven heraus Männer und Frauen Kinder haben wollen und in die Welt setzen. Aber wir haben in Deutschland eine Situation, in der 45 % der Frauen keine Kinder mehr haben wollen. Das ließe den üblen Schluss zu, dass es bei uns mit der „Mutterliebe“ wohl nicht mehr sehr weit her ist. Eine Gleichsetzung von „Vaterliebe“ mit „Mutterliebe“ ist überfällig. Erst auf dieser Basis ist zu prüfen, bei wem das Kind besser aufgehoben ist.

Frau Hauffe weist darauf hin, dass viele Väter keinen Unterhalt zahlen. Diese Argumentation klingt beweiskräftig, ist aber irreführend. Wir reden hier nicht davon, dass, abgesehen von Einzelfällen, die Mutter in der Auseinandersetzung mit dem Vater ihres Kindes durchweg die besseren Karten hatte und diese Karten auch häufig genug bis an die Grenze des erträglichen und darüber hinaus ausgespielt hat. Hier soll auch kein Mann in Schutz genommen werden, der seine Pflichten als Vater verletzt, aber darauf zu verweisen ist schon, dass die meisten Männer es nur schwer verkraften können, wenn ihnen das Besuchsrecht und das Sorgerecht vorenthalten wird. Damit waren sie nur noch „Zahlväter“. Das macht es zumindest sehr schwer, Verantwortung zu übernehmen. Hoffen wir, dass das neue Gesetz hier mehr Akzeptanz bei den Vätern erzeugt.

Frau Hauffe äußerte sich zu dem geplanten Gesetz nicht als Privatperson, sondern als Amtsperson. Sie stellt ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes und ein Gesetz des Deutschen Bundestages in Frage. Das sei ihr unbenommen, aber zu fragen ist schon, ob sie sich hier nicht ein bisschen zu viel anmaßt. Nebenbei gesagt: Ihr Gehalt bezahlen immerhin zu weit mehr als 50% Männer und Väter. Grob gesagt: Frau Hauffe sollte sich auf ihre Pflichten als Beamtin konzentrieren und nicht ihr Amt für die Verbreitung eines „Steinzeitfeminismus“ benutzen. Damit polarisiert sie und säht Zwietracht. Mann darf gespannt sein, ob und was die Männer in der SPD und bei den Grünen sagen und tun werden oder ob sie wie bisher kuschen und willfährig nicken.

So weit mein alter Freund Herwig. Ich bin da ganz seiner Meinung.

Die Debatte um das Sorgerecht bewegt sich im Rahmen einer Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Weltbildern. Frau Hauffe spricht selbst davon, wenn sie sagt, dass das „Leitbild, das dem Gesetz zu Grunde liegt, falsch“ sei. In der Tat geht es hier um Leitbilder und Weltbilder. Herwig und ich halten nun das Weltbild, in dem Frau Hauffe denkt, für falsch. Unserer Meinung nach trägt sie in ihrer Argumentation gegen die geplante Gesetzesregelung bloß ein aktualisiertes Kapitel aus dem Märchen vor, das, wie alle Märchen, einen rationalen Kern hat, das aber seit Jahren und Jahrzehnten zu einem Schauermärchen aufgeblasen wurde; ein Schauermärchen, das in allen Medien der fortschrittlichen Länder dieser Erde kolportiert wird und das zu hören und zu lesen wir uns inzwischen so gewöhnt haben, dass die meisten von uns es für wahr halten, ja, fast alle, selbst die ansonsten eher kritischen Geister. Es ist das Märchen von der guten alleinerziehenden Mutter und dem abwesenden bösen Vater. Dieses Märchen ist eines aus der großen Märchensammlung über die Unterdrückung der Frau durch den Mann seit 5.000 Jahren. Nun wird ein Märchen nicht bloß deswegen wahr, weil die tonangebende Gemeinde der Guten Menschen und „Möchtegern-Bohemiens“ (Bobos) gleich welchen Geschlechts (trotz aller inneren Zweifel hier und da) daran glaubt und es bei jeder passenden Gelegenheit so nachhaltig verkündet, dass es im Range des Alltagswissens steht. Dabei ist es genau so unwahr wie das patriarchalische Ammenmärchen vom Mann, der denken und lieben kann; anders als die Frau, die das nicht kann, weil sie auf einer tieferen Stufe des Menschseins zurück geblieben ist.

Wie es wirklich ist, bespreche ich ab und zu mit anderen Männern bei Bier und Korn. Dann sitzen wir zusammen und reden über Gott und die Welt. In solchen Gesprächen deutet mancher Mann an, dass bei ihm zuhause die Frau so herrscht wie er, der Mann, es in seiner Firma und im Öffentlichen Leben gerne tun würde, und dass seiner Erfahrung nach die Frau in der Geschichte den Mann stets nur vorschob und ihn glauben ließ, er sei der Herr der Welt. Neulich vertraute mir gar einer an, (ich glaube, es war Dieter, der das sagte), er halte die deutschlandweit durch Quotenregelungen und durch die Einrichtung von Frauenbeauftragten vorangetriebene und nicht mehr zu verhindernde Übernahme der Macht im Öffentlichen Leben, beginnend mit der im Öffentlichen Dienst, durch die Frauen nur dann für nützlich, wenn die jeweilige Frau vor Ort besser ist als ein Mann. Das auszusprechen war sehr mutig von Dieter. Ich versprach ihm, das für mich zu behalten.

Treten wir einen Schritt zur Seite und entfernen uns vom Schauplatz dieser Auseinandersetzung um die armen Kinder, deren arme Mütter und Väter nicht in Frieden miteinander leben können, obwohl sie das zu anfangs und zeitweise geglaubt haben, und reden wir nicht mehr über den Geschlechterkampf, der in vielen Fällen ein Krieg ist, dann merken wir schnell, dass den meisten Deutschen das neue Sorgerecht, sofern sie nicht selbst davon betroffen sind, ziemlich egal ist. Sie wollen nur, dass Kinder heranwachsen, die später eine anständige Arbeit finden und durch ihre Steuern und Abgaben dazu beitragen, dass unser aufwendiges System zur Pflege und Verbesserung von Gesundheit, Bildung, Politik, Kultur, Verwaltung und Rente erhalten bleibt. Zurecht.

Hören wir also auf mit Schauermärchen und Ammenmärchen und fragen uns höchstens, zu wessen Nutz und Frommen sie jemand erzählt.

Ich liebe die richtigen Märchen. Am liebsten sind mir „Der standhafte Zinnsoldat“ und „Der Tannenbaum“ von H.C. Andersen. Da geht es (auch) um die Liebe zwischen Männern und Frauen. Aber immer wieder lese ich auch von ihm „Des Kaisers neue Kleider“. Es handelt von einem Kaiser, der zusammen mit seinem Gefolge durch die Straßen der Stadt stolziert im Glauben, er habe ganz wunderschöne Kleider an. Dabei ist er nackt. Das wagt ihm kein Mann und keine Frau zu sagen. Nur ein Kind.

Wir brauchen Märchenerzähler, die von Liebe und Leid reden, aber auch Menschen, die sich nicht scheuen, in aller Öffentlichkeit die Wahrheit zu sagen. Herwig und ich möchten jedenfalls nicht, dass die Mode anhält, im Streit zwischen Mann und Frau erst einmal den Mann bloßzustellen. Das neue Gesetz geht in die richtige Richtung. Bravo!




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